Aufarbeitung

Gerade überlege ich, ob ich all meine Gedanken hier niederschreiben oder Radfahren soll.. Ich habe lange nicht mehr einen solch langen Beitrag verfasst wie dieser hier wahrscheinlich werden wird.

Mein Freund machte am 10. Dez. mit mir Schluss, wir waren nicht lange zusammen und dennoch machte es mich ziemlich fertig.
Als ich mich fragte warum, began ich Unterschiede in meinen verschiedenen Beziehungen zu suchen und die größte war, dass ich es wirklich zuließ etwas zu fühlen.

In letzter Zeit schlafe ich ziemlich beschissen. Ich brauche ewig zum Einschlafen und wache nachts dauernd schweißgebadet auf. Es ist als habe das Dach ein Loch und es hätte unerbitterlich hineingeregnet.
Meine Träume könnten von den Machern von Saw sein. Jede Nacht wird auf wirklich widerlichste Weise Jemand anderer zerschnitten, aufgerissen, der mir am Herzen liegt. Ich stehe jedes Mal in ihrer Nähe. Sie weinen und flehen mich um Hilfe an, strecken ihre Arme nach mir aus. Es fehlt nur eine Handbreit und doch kann ich ihnen nicht helfen, kann mich nicht rühren. Ich will ihnen Mut zusprechen, irgendwie für sie da sein, aber ich kann meine Lippen nicht spüren, bewegen. Manchmal beginnen sie vor Angst zu weinen und fragen mich wieso ich nichts tue, doch ich kann nicht antworten. Ich möchte weinen, aber auch das ist nicht möglich.
Ich vermag es nicht einmal zu schreien, wenn mir das Blut entgegenspritzt.
Es riecht so süßlich, dass mir schlecht wird. ich spüre wie es warm an meiner Wange hinunterläuft. Sehe wie ihre ausgestreckten Arme verkrampfen um dann zu erschlaffen. Sie sterben und ich stehe nur daneben, als sei ich ein emotionsloses Wesen.

im Prinzip habe ich das Gefühl seit Tagen nicht mehr geschlafen zu haben. Bin furchtbar müde und gleichzeitig überdreht. Kann mich nicht konzentrieren und glaube nicht mehr ich selbst zu sein, als beobachte ich mich von Außen. Ich rede und handle ohne zu denken.

Ein guter Freund gab mir den Rat nach innen zu horchen und zuzuhören, was mich beschäftigt und das habe ich heute.
Ich las den kompletten Chatverlauf von mir und meinem ersten Ex, Kashi.
Mir fiel schon beim überfliegen auf, dass ich vieles anders in Erinnerung hatte und beim genauen lesen, konnte ich kaum glauben, was ich geschrieben hatte. Wie hatte ich nur so eiskalt sein können, so selbstsüchtig, so fies.
Ich hatte ihn verletzt und was mich am meisten stört, ich wusste, dass ich ihn damit verletzten würde.
Er war ein emotionaler Krüppel, ja, war ich auch, allerdings hat er sich verdammt viel Mühe gegeben sich selbst zurück zu nehmen nur um mir den Freiraum zu lassen den ich verlangte und ich heischte, nachdem ich ihn verlassen hatte, nach Aufmerksamkeit, Mitleid und Fürsorge, während ich ihn runtermachte. Ich lachte und heulte gleichzeitig, ich konnte wirklich nicht glauben, dass ich das geschrieben hatte. Ich bin auch grad noch entsetzt.

Er versprach mir damals, meinen Blog nicht mehr zu lesen und die Sache ist jetzt vier Jahre her, allerdings wünschte ich, er würde es noch tun.
Ich würde gerne mit ihm reden, ich weiß nicht genau worüber und doch will ich mich bei ihm entschuldigen. Er war manchmal scheiße zu mir ohne Frage, aber so viel Gefühlskälte hat er nicht verdient gehabt.
Ich würde ihn gerne anschreiben, aber nach so langer Zeit, alte Wunden aufzureißen? Nur um mich zu entschuldigen? Ich wüsste nicht, ob das fair oder unfair wäre.

Für den unwahrscheinlichen Fall Kashi, dass du zum Trotz deines Versprechens, nach vier Jahren über meinen Blog stolpern solltest, möchte ich dir folgendes sagen:
' Ich hab immer noch keinen blassen Schimmer, was ich dir genau sagen will, aber diese Eigenschaft dürftest du ja noch kennen. Ich habe dich damals kennengelernt, da waren wir in der ersten Klasse und alle Lehrer konnten nicht begreifen, wieso du keine Lücken zwischen den Wörtern ließt. Wie wir dich auslachten und ich weiß noch wie du mir mit Kevin hinterher ranntest. Wie du mich verprügeltest. Wie Kevin später ins Dornengebüsch fiel und wie glücklich ich war, als du unsere Schule verlassen hattest.
Es war so seltsam dich Jahre später in der selben Klasse zu finden in der auch meine beste Freundin war. Wir uns sofort gut verstanden, auch wenn ich es dir insgeheim noch wochenlang nachtrug, dass du mich damals geschlagen hattest. Wir drei wurden so gute Freunde. Weißt du noch, als wir uns mit Stöckern bekriegten auf ihrer Gartenfeier? Als wären wir wieder Erstklässler?
Wie wir gemeinsam Horrorfilme sahen und ich sie in irgendeinen nicht-existenten Dialekt wiederholte, damit du dich nicht ängstigtest?
Glaube mir, heute könnte ich das nicht mehr. Ich bin so mega sensibel geworden, ich kann's nicht mehr ertragen. Damals war ich so eingeschlossen in mich selbst, dass mich nichts berührte.
Nur du brachst durch das Eis und konntest mich aus dem Herzen lachen lassen.
Du warst mein bester Freund.
Als du mir eines nachts schriebst, du müsstest den Kontakt abbrechen, konnte ich es nicht wahrhaben, ich wollte dich um keinen Preis der Welt verlieren und als ich den Grund erfuhr, dass du Abstand haben wolltest, weil du glaubtest Gefühle für mich entwickelt zu haben.. fing ich an dich zu belügen. Mich zu belügen. Ich sagte, ich wäre auch in dich verliebt, es war kindisch und absolut egoistisch, dass weiß ich. Aber ich redete mir ein, es wäre so und ich konnte es eine zeitlang auch glauben. Ich wollte glauben, dass alles perfekt war. Dennoch war ich wütend auf dich, weil sich unsere Beziehung druch die verändert hatte, ich hasste mich unterbewusst dafür, dass ich dich und mich anlog.
Einerseits wollte ich diese Nähe zu dir, um genauso wie du, nicht allein zu sein. Jemanden als Stütze zu haben. Um geliebt zu werden.
Aber wie können zwei Säulen, die dabei sind zu Staub zu zerfallen, einander halten?
Ich fühlte mich emotional unter Druck gesetzt, einmal schriebst du 'Ich lebe nur für dich' und als ich hier von meinen Suizidgedanken schrieb, erzähltest du, du würdest mitkommen wollen. Wobei ich hierbei dich unter emotionalen Druck setzte, du musstest jedes Mal befürchten, wenn du etwas 'Falsches' sagtest, dass ich mir das Leben nehmen würde.
Ich wollte, dass du mich hälst, aber zum einen konntest du das nicht und zum anderne brauchtest du Halt, dir ging es auch nicht gut, aber das wollte ich damals nicht wahrhaben. Ich dachte mir ginge es am schlechtesten. Mir ginge es wirklich schlecht und du wolltest nur Mitleid.
Und ja, bestimmt wolltest du Mitleid und Aufmerksamkeit, aber keiner von uns beiden war besser oder schlechter dran als der andere.

Ich möchte dir danken Kashi, als es damals um das Thema Sex ging, weil irgendwie jeder in unserem Freundeskreis davon anfing, wie pubertierende Teenies damals nun so waren, hast du dich keinen Deut unter Druck setzten lassen. Vor allem aber hast du mich in diesem Punkt kein bisschen unter Druck gesetzt. Du wirktest beinahe desinteresiert und ehrlich, als du meintest, ich habe so viel Zeit und Raum, wie ich dafür brauche. Ich erinner mich nicht einmal, dass du jemals versucht hast weiterzugehen, sondern dass ich dich zum ersten Mal geküsst, dich berührt hab.
Um ehrlich zu sein, hatte ich sowas danach mit niemanden jemals wieder.

Ich möchte auch dass du weißt, dass es oft Situationen gab, in denen ich mich nicht ernstgenommen fühlte, du mich auch nicht ernst nahmst, nicht auf mich eingingst, ich weiß, dass du überfordert warst. Ich war es auch.

Es war gut, dass wir uns trennten, doch manchmal wünschte ich mir, dass wir niemals zusammengekommen wären, einfach weil wir vielleicht tatsächlich schon in einer WG mit tausenden von Coktailkissen und eigenem Super- Internet Anschluss und dutzenden Animesendern wohnen würden.
Wir noch beste Freunde wären.

Ich möchte nichts in meinem Leben bereuen und auch das bereue ich nicht, ich wünschte es mir nur anders.
Es gibt so vieles, was mir leid tut Kashi. Wir haben uns beide oft verletzt und enttäuscht, aber in den letzten Gesprächen, war es meinerseits mit voller Absicht und ich habe mich niemals dafür entschuldigt. Ich weiß, dass all meine Gedanken von damals eine Berechtigung haben und muss damit leben, wie ich damals war, aber es heißt nicht, dass ich es heute gutheiße.
Wahrscheinlich bringt dir das 'es tut mir leid' heute auch nichts mehr.. allerdings wünsche ich mir, dass du das hier wirklich lesen würdest.
Ich wünschte ich hätte den Mut, dass hier an dich zu schicken.
Ich wünschte es ginge dir gut. '




20.1.16 21:27

Letzte Einträge: Von Erinnerungen und Sammlungen, Vom Verlieren und Loslassen

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