Von Schlaflosigkeit, Missbrauch & Sex

Die Intention meines Blogs war es zu ordnen, zu reflektieren um mich selbst besser zu verstehen und deshalb rechne ich nicht damit, dass ihr es tn werdet und dennoch hoffe ich es. Vielleicht gibt es irgendwo hier Jemanden, dem es genauso ergangen ist, der mich versteht und sich danach sehnt verstanden zu werden.

Seit mehreren Jahren leide ich an einer Schlafstörung, ich denke jedem ist es bekannt, dass man stundenlang im Bett liegt und sich die Gedanken um das immer gleiche wiederkehrende Thema drehen, so ist es auch bei mir.

Ich denke zurück an die Zeit in der mein Stiefvater mich sexuell belästigte und ein sehr guter Freund von mir beschloss mich unter k.o.- Tropfen zu setzen und den Versuch unternahm mich zu vergewaltigen.

Ich spreche von Belästigung und Versuch. Mein leben besteht aus Fast- Momenten, in denen mir hätte etwas Schlimmes passieren können, aber doch nicht geschah. Ich weiß, dass viele denken werden : 'Ach, ist doch schön, hast halt Glück im Leben.. '
Ich weiß einerseits auch, dass es die richtige Einstellung dazu wäre, die mit der ich vielleicht wieder Schlafen könnte, dennoch denke ich andererseits daran zurück, dass ich trotz allem litt. Die Frage, ob es schlimmer ist nächtelang darauf zu warten bis der Vater wieder vor seinem Bett und ob er es diesmal endlich tun würdem damit einfach diese Ungewissheit aufhört, damit man der Mutter sagen kann:' Jetzt, jetzt war es soweit, er hat mich missbraucht, du hast gesagt, wenn er es tut schickst du ihn weg, bitte beende es.' oder ob es schlimmer ist wirklich von seinem Vater missbraucht zu werden, ist für euch leicht zu beantworten. Ich habe es an den Reaktionen derer, denen ich es erzählte gesehen, gehört. Ich soll kein Drama drauß machen, ich hatte doch Glück.
Ich habe mit einem Messer unter meinem Kissen geschlafen, als er es mir abnahm, habe ich gar nicht mehr geschlafen. Ich habe nie erfahren, was es bedeutet ein zu Hause zu haben, weil ich über all und nirgendwo schlief. Meine Mutter schlug mich, schrie mich an, ich solle nicht lügen.
All das habe ich Erfahren, obgleich kein Penis in mir steckte.
Aber es ist nichts wert, denn es ist ja nur fast etwas passiert, nicht wahr?

Für mich nicht. Ich weiß heute was es in mir ausgelöst hat und ich will nicht mehr das Gefühl haben mich dafür entschuldigen zu müssen, dass ich es geschafft habe in diesen Situationen auf mich aufzupassen. Ich will kein Mitleid, ich will, dass irgendwer versteht, dass auch das einen leiden lassen kann.

Genauso litt ich unter dem Versuch de Vergewaltigung. Jeden Abend frage ich mich, wie ich mich so hatte täuschen lassen können. Ich hatte auf meine Menschenkenntnis vertraut und versagt.

Bis heute ist Sex ein heikles Thema für mich. Natürlich ist es insgesamt für viele ein spezielleres Thema, dass nicht ganz so offen und direkt behandelt wird, obgleich man Andeutungen, Witze und Scherze machen kann.
Allerdings kann ich offen über alles reden, solange es nicht darum geht, wieso ich nicht unten liegen kann, wieso ich meinen Blick stets abwende und wieso er so betrübt wirkt, wieso ich nach dem Sex gleich aus dem Bett springe..

Um ehrlich zu sein, habe ich es noch nie genossen mit Jemanden zu schlafen. Ich wollte es oftmals und es war auch irgendwo schön, aber bei Beginn der ersten intimen Berührung spannt sich mein gesamter Körper an, ich spüre kaum etwas außer dem Gefühl von Angst, dass sich irgendwann zur Panik ausbreitet und dem Impuls das Weite zu suchen, die Person nie wiederzusehen. Nicht weil man die Person dafür hasst, sondern vielmehr weil man weiß, dass man mit ihr Sex haben will, es aber nicht kann.
Wenn meine Lust plötzlich in Angst umschlägt und ich alles dafür tue, dass er kommt, bevor ich in Panik verfalle, statt irgendetwas zu genießen.

Ich weiß, durch drei Male, dass es wundervoll sein kann, dass ich das auch erleben möchte.

Seit Kurzem bin ich in einer Freundschaft + Beziehung. Ich weiß nicht wirklich, wie ich da hineingeraten bin und dennoch bin ich froh darüber.
Vor allem und das ist das Abstruse daran fühle ich mich zum ersten Mal so gut aufgehoben, wertgeschätzt und gut behandelt, wie es in einer meiner Beziehungen hätte sein sollen.
Als wir heute miteinander schliefen und er sich auf mich legte, sah ich ihm in die Augen und sah zum ersten Mal nicht L's Gesicht. Ich vergaß, dass ich normalerweise panisch wurde und fand es einfach wahnsinnig schön.
Als er mich festhielt, wollte ich mich nicht befreien, ich drückte mich noch fester an ihn.
Der Gedanke es hinter sich bringen zu müssen, blitzte nur für Sekunden durch meinen Kopf und wurde durch den, nie wieder aufhören zu wollen ersetzt.
Selbst danach bei ihm zu liegen, sich streicheln zu lassen war in Ordnung.
Die Anspannung kehrte zwar zurück, doch übermahnte mich nicht.

Ich begreife es nicht. Wieso vertraue ich ihm mehr als meinen bisherigen Beziehungspartnern? Wieso kann ich mich bei ihm, mehr als bei allen andern fallen lassen und kann ich mir diesmal bei dieser Entscheidung, die ich traf und treffe vertrauen?


Ich habe nicht daran geglaubt, dass die Bilder meinen Stiefvaters und meines guten Freundes mich jemals beim Sex verlassen würden.
Bedeutet es, dass ich es langsam verarbeitet habe? Dass ich bald schlafen kann ohne die beiden als meine letzten Gedanken?
Das acht Jahre endlich genug sind?


eure Kim


1.5.16 22:55

Letzte Einträge: Von Erinnerungen und Sammlungen, Vom Verlieren und Loslassen, Angst vor der Außenwelt

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mysty / Website (1.5.16 21:30)
Liebe Kim

Ich glaube du bist soweit es zu verarbeiten, denn wie es aussieht hast du endlich jemanden gefunden bei dem du dich Geborgen fühlst. Eure Freundschaft + Beziehung zeigt dir einfach das nicht jeder Sex schlecht ist und das dir es auch gefallen hat. Vielleicht ist es ein dummer Tipp aber du solltest dir jemanden suchen der etwas ähnliches Erlebt hat oder so und mit dieser Person reden. So schaffst du es bestimmt auch schneller von diesem Trauma loszukommen.

mysty

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