Vom Unglück des Glücks 2

So saßen wir zu viert auf den Bierbänken. Mir gegenüber meine ebenfalls immer noch bänder- und federlose Freundin, neben uns jeweils der Ex einer gemeinsamen Bekannten und dessen Kumpel.
Wir hielten alle einen viel zu stark gemischten Caipi in der den Händen und rauchten gemütlich, während wir uns alle miteinander unterhielten.
Die Sonne schien noch angenehm und der Alkohol hinterließ ein schummrig leichtes Gefühl in meinem Kopf, in mir.
Die Sonne sank und der Ex und ich gerieten in ein tiefes Gespräch, sodass wir die Plätze tauschten um uns gegenüber zu sitzen.
Er ließ mich reden, unterbrach mich nur gelegntlich um mich zu bitten, leiser zu sprechen und um mich zu fragen, wo ich die ganze Zeit nur gewesen wäre.
Als ich ihm von meinem Traum nach Paris zu Reisen erzählte, nahm er mir das Versprechen ab, sobald er ausgezahlt wurde mit ihm nach Paris zu fliegen.
Ich fühlte mich wohl und wollte doch lieber bei Jemand anderen zu Hause auf der Couch liegen und Serien schauen.
Trotz allem hatten wir viel Spaß, lachten und konnten es gar nicht fassen, als eine Freundin uns entdeckte und sich mit ihren Freunden zu uns setzte.
Unsere Gruppe wurde immer größer und größer und doch unterhielten der Ex und ich uns weiter. Nur dass der Mensch, der vor mir saß, kaum zudem passte, was die Bekannte mir erzählt hatte.. Es waren für mich zwei verschiedene Menschen.
Konnte der Abend noch schöner werden?
Der Kumpel mit dem ich mich zuvor auch unterhalten hatte setzte sich mir nun ebenfalls gegenüber, es ist schwer zu sagen, wer von uns am vollsten war, aber er hatte gute Chancen auf den ersten Platz.
Er nahm meine Gesicht zwischen seine Hände und zog mich zu ihm, fragte, was ich täte, würde er jetzt weitermachen... Fassungslos starrte ich ihn an und brachte irgendwie hervor, dass ich ihm eine scheuern würde.
Die bänder- und federlose Freundin sprach davon zu gehen und als ich mich das nächste Mal umsah, saß ich allein mit den beiden Typen dort.
Ich hatte auch noch nicht gehen wollen, wieso sollte ich einen so schönen Abend auch beenden wollen?
Nach einer kleinen Eskallation des Kumpels, nach der er einfach verschwand, besorgten wir uns eine Packung Kippen, fragte uns, was wir tun wollten.
Ich wollte nach Hause, es war dunkel und kalt, trotz seiner Jacke, die ich trug. Ich war betrunken und der nächste Morgen war schon nicht mehr fern.
Dennoch blieb ich, wieso einen bezaubernen Abend abbrechen, wo es doch am schönsten war?
Wir kauften Bier uns setzten uns an ein grünes Stück nahe einer Baustelle.
Unterhielten uns und mit jedem Wort was ich sagte, schien ich ihn mehr zu faszinieren. Irgendwann lehnten wir aneinander und sprachen in die Dunkelheit vor uns.. bis wir einander ansahen und er mich küsste..
Spürte ich da ein Kribbeln oder waren meine Lippen nur von der Kälte, dem Rauch und Alkohol halb taub?
Wir küssten uns weiter und weiter, bis aus dem Kuss mehr wurde und ich hervorplatzte, was mir geschehen war, ich nicht konnte, was er von mir wollte.
Ich spürte seine Hände, seine Finger, seine Lippen und ein Strudel aus heißen Wogen fluteten in meinem Kopf. Ich wollte lieber in anderen Armen eingekuschelt liegen, dort wo ich mich wohl und behaglich fühlte. Und dennoch hörte ich nicht auf, sagte nicht 'Nein', es fühlte sich schön an, aber nicht angenehm. Er hob mich hoch und wollte mit mir in die Dunkelheit verschwinden, in die wir zuvor noch gesehen hatten, als die Panik mich schlagartig übermahnte, ich machte mich los, nur um mich an ihm festzuhalten. Welchen Sinn hatte das? Ich wollte nicht in seinen Armen sein und trotzdessen krallte ich mich fest.
Er entschuldigte sich, nur um es fünf Minuten später wieder zu probieren. Wieder stieß ich ihn von mir.
Ich bat ihn zu gehen und obgleich er es nicht wollte brachte er mich zu Bahn, fuhr mit mir. Versichterte sich immer wieder, dass ich es nicht bereuen, ihn morgen nicht hassen würde.
'Ich möchte niemals etwas bereuen' war meine Antwort.
Bevor ich meine Augen am nächsten Morgen öffnete, hoffte ich inständig, dass all das nicht passiert war.
Doch meine Kleider lagen dort, wo ich sie meiner entledigt hatte und er war der letzte in meinem Chatverlauf.
Ich fühlte mich taub und niedergedrückt zugleich. Mir fiel es schwer das Geburtstagsgeschenk für meinen besten Freund fertigzustellen um es ihm am Nachmittag zu überreichen. Es war tatsächlich das erste mal, dass wir wirklich zusammen und mit seinen Freunden feiern würden.
Ich jedoch verfiel immer wieder in Heulkrämpfe und fragte mich, wieso ich nicht mehr so glücklich wie noch vor ein paar Tagen war..
Ich redete kurz mit einem guten Freund, der mir riet nicht aus dem Haus zu gehen, da mir 'gerade anscheinend Jemand ins Hirn gekackt habe und ich nur scheiße baue, von der ich weiß, dass sie mich unglücklich machen wird. '
Ich weinte, weil ich wusste, dass er Recht hatte.
Ich rief bei meinem besten Freund an und konnte nicht aufhören zu weinen, es wäre das erste Mal gewesen, dass ich ein Teil seines neuen Lebens gewesen wäre. Er verurteilte mich nicht, hatte er noch nie. Er sorgte sich. Verbot mir rauszugehen. Ich sollte auf mich aufpassen. Zusehen, dass ich wieder glücklich würde.
Wie sollte glücklich werden, wenn ich doch solche Angst davor hatte?


13.6.16 23:44

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